Viscum album
- P L
- 27. Nov. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Die Mistel – faszinierender Halbschmarotzer und wintergrünes Symbol

Die Laubholz-Mistel, botanisch Viscum album und auch Weißbeerige Mistel genannt, ist eine der geheimnisvollsten Pflanzen unserer heimischen Flora. Als immergrüner Halbstrauch wächst sie hoch oben in den Kronen von Laubbäumen – seltener auch von Nadelbäumen – und fällt besonders im Winter durch ihre sattgrünen, kugeligen Büsche auf. Interessanterweise zeigen die männlichen Pflanzen häufig einen gelblich-grünen Farbton, während weibliche Exemplare kräftiger grün wirken.
Lebensweise eines Halbschmarotzers
Die Mistel ist ein Halbschmarotzer: Sie betreibt zwar selbst Photosynthese, entzieht ihrem Wirtsbaum jedoch Wasser und gelöste Mineralstoffe. Dies gelingt ihr durch ein spezielles Organ, das sogenannte Haustorium, das tief in den Holzteil des Baumes eindringt. Auf diese Weise entstehen im Laufe der Zeit runde, kugelige Büsche, deren Triebe an den Knoten charakteristisch leicht brechen – ein gutes Erkennungsmerkmal.
Die Blätter der Weißbeerigen Mistel sind verkehrt lanzettlich bis verkehrt eiförmig, stets gegenständig angeordnet und enden stumpf. Ihr Wuchs folgt einem sehr regelmäßigen Muster: Jedes Jahr entsteht aus einer Knospe ein neuer, gabelartig verzweigter Sprossabschnitt.
Blüte und Frucht – unscheinbar, aber faszinierend

In Mitteleuropa blüht Viscum album bei günstigen Bedingungen bereits von Januar bis April. Die kleinen, gelben, unscheinbaren Blüten sind leicht zu übersehen – ihre ökologische Bedeutung ist allerdings groß. Einige spezialisierte Insekten wie der Spitzmausrüsselkäfer, bestimmte Borkenkäfer sowie Schildläuse nutzen die Mistel als Nahrungs- oder Lebensraum. Unter den Schmetterlingen haben sich die Raupen des Mistel-Wicklers, des Mistel-Glasflüglers und sogar die des Blausiebs an die Pflanze angepasst.
Von der Blüte im Februar bis zur Fruchtreife vergehen rund neun Monate. Die Mistel bildet schließlich weiße, glasige, einsamige Beeren, deren klebriges Fruchtfleisch – das sogenannte Viscin – für die Verbreitung entscheidend ist. Vögel fressen die Beeren, und die darin enthaltenen Samen haften dank des zähen Viscins an Zweigen oder werden über den Kot verbreitet. Auf diese Weise findet die Mistel neue Plätze zum Keimen.
Verwandtschaft und Vielfalt von Viscum album
Die Misteln gehören zur Familie der Sandelholzgewächse (Santalaceae), in manchen Klassifikationen zur eigenen Familie Viscaceae. Weltweit gibt es rund 70 bis 120 Arten, die meisten davon im südlichen Afrika und auf Madagaskar. Neben der Weißbeerigen Mistel ist in Europa auch die Rotbeerige Mistel (Viscum cruciatum) heimisch, die im westlichen Mittelmeerraum wächst. In Südtirol kommen neben der Laubholzmistel Viscum album album zwei Unterarten vor, nämlich die Tannen- und die Föhrenmistel.
Mythen und Geschichte – die Mistel im Volksglauben
Schon in der Antike beschrieben Gelehrte wie Dioskurides und Plinius die Mistel und erkannten ihre Abhängigkeit von Vögeln zur Verbreitung der Samen. Besonders berühmt ist die Rolle der Mistel in den Ritualen keltischer Druiden, die den Pflanzen magische Kräfte zuschrieben.
Bis heute gilt die Mistel als Symbol für Glück, Liebe und Fruchtbarkeit. Zur Weihnachtszeit wird sie traditionell über Türen gehängt – wer sich darunter küsst, dem soll ewige Liebe beschieden sein. Auch als Schutzpflanze gegen böse Geister hatte sie früher große Bedeutung.
Mistelbefall – Belastung für Bäume
So romantisch die Mistel wirkt, für ihre Wirtsbäume ist sie ein zusätzlicher Stressfaktor. Sie entzieht ihnen Wasser und Mineralstoffe – Ressourcen, die in Zeiten von Hitze und Trockenheit ohnehin knapp werden. Während ein leichter Befall gesunder Bäume meist toleriert wird, kann eine starke Besiedlung in trockenen Sommern problematisch werden und die Vitalität des Baumes deutlich beeinträchtigen.










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